Deutschland galt über Generationen als das Land der Dichter und Denker. Es gilt jetzt bereits mehr als das Land der Richter und Bänker. Tun wir also etwas dafür, dass wir wieder auch dem alten guten Ruf gerecht werden.

Es sollte nicht über Vereinsamung, Gefühlskälte und Werteverfall geklagt, sondern die erziehende Funktion der Schulen, Theater und Lyrikzirkel verbessert werden. Dazu brauchen wir in zunehmendem Maße eine außerpolitische - nicht unbedingt unpolitische - Verarbeitung unseres öffentlichen Lebens, - auch, oder ich meine, gerade - in Gedichtform.

Dazu muss man nicht übermäßig verträumt oder romantisch sein, sondern in der Lage, in kurzer, verdichteter Form sein Anliegen oder seine Empfindung formulieren zu können. Wenn Gedichte wieder mehr ansprechen sollen, müssen sie verständlich sein, was meines Erachtens in den letzten Dezennien etwas verloren gegangen ist. Dadurch wurde Lyrik für viele (zu viele!) zu etwas Abgehobenem, Unverständlichem, kurz: Unnormalem, und das lehnt man mit Recht ab.

Der Feldberger Arbeitskreis, zu dem ich mich zähle, möchte Lyrik wieder populärer machen und scheut deswegen keine verständlichen Formen und Inhalte, sondern sucht sie geradezu.